Sie sind hier: KNAQ SH - Leistungen - Workshops - KNAQ Exkursion Fischimport vs. Produktion in Deutschland

Inhalt

KNAQ-Exkursion: „Fischimport vs. Produktion in Deutschland“

Hintergrund

Heimische Fischarten wie Forelle, Karpfen & Co. sind geschätzte Lebensmittel, die sich durch ihre Regionalität und Nachhaltigkeit (überwiegend) gut auf dem Markt behaupten können. Für den Lebensmittelhandel und die überregionale Vermarktung stehen sie allerdings häufig nicht in ausreichender Menge zur Verfügung, so dass Deutschland zu 88% auf Importe von Fisch und Krustentieren aus dem Ausland angewiesen ist. Dabei werden aus naheliegenden Gründen auch viele "Exoten", d.h. nicht-heimische Fische und Krustentiere importiert. Diese gehören genau wie die in Deutschland produzierten Fische schon längst zu unserem "täglichen Brot" und sind eine wichtige Be-reicherung in puncto Vielfalt und Qualität. Es ist also nicht zu leugnen, dass "deutsche" und "ausländische" Fische gleichermaßen auf dem Markt ihre Daseinsberechtigung haben.

Durch die Produktion von Fischen und Krustentieren in geschlossenen Kreislaufanlagen eröffnet sich nun zunehmend die Möglichkeit, auch Exoten in Deutschland zu produzieren. Große Fortschritte in der Entwicklung von Kreislauftechnologie, Kontrolle über Biologie und Management, aber auch zunehmendes Vertrauen in die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit, gestatten die Frage: Haben in Deutschland produzierte Exoten ebenfalls einen festen Platz in unseren Fischtheken und Kochtöpfen verdient? Können sie hier in Deutschland genauso gut oder "besser" produziert werden als an-derswo in der Welt? Oder ist Fisch "made in Germany" sogar so begehrt, dass wir ihn ins Ausland exportieren können?

Mit diesen Fragestellungen wollen wir uns in einer kleinen Gruppe von KNAQ-Akteuren auf den Weg machen und mit beispielhaft ausgewählten Produzenten von heimischen und exotischen Fischen (Forelle, Gelbschwanzmakrele und Stör) und mit den Profis des internationalen Fischimports diskutieren und (hoffentlich mehr als eine) Antwort finden.

 

 

Protokoll

Das Protokoll wurde freundlicherweise angefertigt von Frau Katja Searles, Projektmitarbeiterin der HNE Eberswalde, im Projekt Sustainable Finance for Sustainable Agricul-ture and Fisheries (SUFISA). Für Rückragen wenden Sie sich bitte an Frau Searles ( Katja.Searles@hnee.de ) oder an KNAQ ( info@knaq-sh.de )

Tag 1 Desietra GmbH

Tag 1
Desietra GmbH
Kruppstr. 5, 36041 Fulda
desietra.de

Geschäftsführer: Jörg-Michael Zamek
Qualitätsmanagement: Marcel Böhm
Betriebsleitung: Mesfin Belay
Betriebsvorstellung:
Seit ca. 20 Jahren werden auf einer umbauten Fläche von ca. 7.500m² sechs verschieden Störarten in Kreislaufanlagen vermehrt, aufgezogen und gehalten. Die Kombination von Anlagen erlaubt eine ganzjährige Kaviarproduktion, so dass Kaviar ohne Konservierungsstoffe angeboten werden kann.
Rundgang und Diskussion:
-    Stör-Arten
o    Beluga (Huso huso)
o    Weißer Stör (Acipenser transmontanus)
o    Russischer Stör (Acipenser transmontanus)
o    Sibirischer Stör (Acipenser baerii)
o    Sterletkaya (Acipenser ruthenus)
o    Albino Sterlet (Acipenser ruthnus - Albino)
-    Vermehrung und Aufzucht
o    Zentral organisiert, 1-2-mal pro Jahr
o    Sexen bei ca. 2kg, ungefähr 2 Jahre alte Tiere
o    1,5-2kg schwere Störe gehen an Vertrags-Betriebe, Teichanlagen
o    Die Mast der männlichen Tiere erfolgt mit vier Betrieben
o    Im Durchschnitt gibt es 50% männliche und weibliche Tiere
-    Kaviarproduktion
o    Kaviarreife erreichen die Störe in Anlagen in 4-4,5 Jahren, in Teichen in 8 Jahren, da abhängig von Wassertemperatur
o    Beluga: 8-10 Jahre bis Kaviar geerntet werden kann
o    Je älter der Fisch, desto größer die Eier
o    Kaviarreife wird mittels Ultraschall ermittelt
-    Produktionsbedingungen
o    6000m³ Pool für Mast, 3x100m³ und 2x30m³ Becken für Aufzucht
o    Ohne technischen Sauerstoff
o    Wassertemperatur: 17-23°C
o    Temperierung des Wassers über Raumluft
o    Wärmerückgewinnung wird derzeit entwickelt
o    Wasser aus zwei Tiefbrunnen 200m und 250m
o    Für den Fall von Stromausfällen stehen ausreichend Notstromaggregate zur Verfügung
-    Abwasser
o    Betriebskläranlage
-    Futter
o    Angepasst an Entwicklungsstufen der Tiere
-    Verarbeitung und Vertrieb
o    Gonaden separieren, vereinzeln (Sieb), waschen, Metalldetektor, Salzlake ansetzen und einlegen, pressen, 3 Wochen Reife, umdosen
o    12 Kaviarsorten
o    Hochsaison an Weihnachten und Sylvester, Ostern
o    Fleisch-Absatzmarkt vor allem Osteuropa und Russland: schockgefrostete ganze Tiere
o    Lokaler Markt keine Bedeutung; Stör unbekannt, da schon lange ausgestorben
-    Energieeffizienz: Potential: Gebläse, BHK mit Strom
-    20 Mitarbeiter
Austausch mit GF
o    Hr. Zamek ist seit 14 Jahren bei Desietra, seit 40 Jahren in der Fischindustrie tätig
o    Brachte aus vorherigen Tätigkeiten Erfahrung mit Osteuropa mit; sehr hilfreich!
o    Desietra hat eine Niederlassung in Moskau, Basis war jahrelanger persönlicher Kontakt
o    Hr. Zamek sieht nicht, dass Markteintritt für neue Akteure realistisch ist, da spezifisches Know-how gefordert, was schwer übertragbar, internationales Geschäft herausfordernd
o    Märkte mit Potential: Osteuropa und Russland; durch illegalen Fang von Stören sind heimische Bestände zerstört
o    Kaviar ist hochpreisiges Produkt, Wirtschaftlichkeit gegeben
o    Herausforderung: Fachkräfte

Tag 1 Fischzucht Rhönforelle

Fischzucht Rhönforelle
Fischzucht 1, 36129 Gersfeld (Rhön)
www.rhoenforelle.de
www.fisch-gross.de
Geschäftsführer: Peter Groß

Betriebsvorstellung:
Der Großvater der heutigen Eigentümer Udo und Peter Groß handelte in den 1880ern in der Region mit Leinen. Darüber wurde er auf die Forellen in den Bächen und Wasserläufen aufmerksam. 1882 gründete er den Fischzuchtbetrieb Groß und wurde damit zu einem Pionier der Forellenzucht in der Region. Nach den Weltkriegen erfolgte die Aussiedlung des Betriebes an den heutigen Standort. Entscheidend für die Wahl des Standortes waren eine Quelle am Hof und der angrenzende Fluss Fulda.
Bis in die 70er und 80er Jahre ließen sich die Forellen sehr gut absetzen. Am Großhandel waren Preise von 7/8 DM/kg üblich. Die Kosten waren sehr niedrig, sowohl für Personal als auch für Energie. Gegen Ende der 80er Jahre brach der Forellenmarkt ein. In dieser Zeit stieg Peter Groß in den Betrieb ein und entschied sich für die Diversifizierung. 1990 fuhr er nach Moskau um die ersten 1000 Störe zu kaufen und legte damit den Grundstein für die Störzucht vor Ort.
Heute bietet der Betrieb eine große Auswahl an Besatzfischen, Stören, Gartenteich- und Speisefische, frisch und geräuchert, an. Verkauf findet ab Hof oder online deutschlandweit statt. Fischtransport wird als Dienstleistung angeboten. Die Belegschaft umfasst ca. 20 Mitarbeiter
Rundgang und Diskussion:
-    Fischhandel an Fischteiche
o    Satzfischhandel ist Saisongeschäft in Frühling und Herbst
o    Anglervereine sind anspruchsvolle Kunden
o    Hoher Qualitätsanspruch, aber lukrativ
-    Stör
o    Keine Mast, da Wasser nicht angewärmt wird; Mast würde zu lange dauern, nicht wirtschaftlich
o    Seit 2000er zunehmende Nachfrage nach befruchteten Eiern zunächst aus China, heute Vietnam und Taiwan, deshalb großer Bestand an Laichfischen auch im Zweigbetrieb im Spessart
o    Aktuell Störbestand zu groß, deshalb Kaviargewinnung geplant, Vertrieb in der Region, guter Preis, allerdings Marketing noch unklar
-    Prädatoren    
o    Sind bei den Teichen ein Thema, nicht aber bei den Betonbecken.
o    Wenig Kormorane in der Region
o    Otter könnten zum Problem werden
-    Neubau
o    Zunächst keine Zustimmung durch Naturschutzbehörden
o    Aufschüttung des angrenzenden Deiches durch Erdaushub von Baustelle in der Region
o    Da Naturschutzgebiet angrenzend, Auseinandersetzung und Einigung mit Unterer und Oberer Naturschutzbehörde; der Betrieb versetzt seinen Zaun, Naturschutzgebiet wird um einige Meter ausgedehnt, Betrieb erhält im Gegenzug Genehmigung für Neubau der Teilkreislaufanlage in Beton
o    Wasserrechte: Genehmigung zusätzlicher Wasserrechte im Gegenzug zum Bau einer Fischtreppe im angrenzenden Bach
-    Teilkreislaufanlage
o    10 mal 40m³ Wasser/kleines Becken, 5 mal 150m³/großes Becken
o    Geringer Bedarf an Wasseraustausch
o    Druckluft wird zugeführt, Strömung
o    Herausforderungen: Wasser wird nicht gewärmt, vereist im Winter, keine Abdeckung vorhanden, d.h. kein Sonnenschutz

Tag 1 PCF: Perishable Center Frankfurt

PCF: Perishable Center Frankfurt
Geb. 454, Flughafen Frankfurt Main
Airportring 26, 60549 Frankfurt am Main
www.pcf-frankfurt.de
Langjähriger Mitarbeiter Herr Karatzianis

Betriebsvorstellung:
Das PCF wurde im Jahr 1995 gegründet. Es umfasst 9000 m² temperierte Ladefläche, aufgeteilt in 20 verschiedene Lagerräume mit überwachten Temperaturbereichen -25°C bis +25°C. Rund 120.00 t Waren werden pro Jahr mit der Hilfe von ca. 120 Mitarbeitern und 60 Werkverträglern in 3 Schichten umgeschlagen, 24 Std./365 Tage. Die Produktpalette umfasst Fleisch, Fisch und Krustentiere (30.000t/Jahr), Obst und Gemüse, Blumen und Pflanzen, pharmazeutische Präparate.
Das PCF ist spezialisiert auf die Verteilung von Waren. Über 20 Rampen werden in Stoßzeiten bis zu 200 LKW/Tag abgewickelt. Es stellt den Zugang zu allen Institutionen der Zollabsicherung und Hygienesicherheit wie tierärztlicher Grenzkontrollstelle, Pflanzenschutzdienst und Vertreter der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung. Weitere Dienstleistungen sind der Austausch des zum Transport von Fisch benötigten Eis mittels Eiswassermaschine und die Vakuumkühlung von Blumen.
Rundgang und Diskussion:
-    Bsp. für Umschlag: Lachs aus Norwegen kommt per LKW nach FfM, über das PCF per Flugzeug nach Asien
-    Innerhalb weniger Stunden sind Räume voll und wieder leer
-    Russland größter Abnehmer von Blumen
-    In 3h von Landung bis Verzollung
-    Durchschnittlich werden 0,1€/kg berechnet
-    Technische Details
o    Betrieb von zwei redundanten Kühlungsanlagen
o    Notstromaggregate für Notfälle
o    Kühlungsüberwachung per Software
o    Energiemanagement: Einsatz von LED, Bewegungsmeldung, Isolierung mit gepresstem Schaum, Betrieb bleibt energieintensiv
-    Pharmazie
o    1000m² nach GDP Richtlinien zugelassen
o    C-Safe Container, -20 bis +40 °C
o    Umschläge an Pharmazeutika nehmen zu
-    Kontrollen
o    Stichproben
o    Sehr kleiner Anteil an Ware nur wird konfisziert
-    Herausforderungen
o    Expansion schwierig: Platz am Flughafen knapp
o    Kurzfristiges Geschäft: Sehr kurzfristig kann sich die Auftragslage ändern zB weil ein Flieger nicht an einem anderen Flughafen landen kann.
o    Über Weihnachten und Neujahr: Verdreifachung der üblichen Umschlagsmengen

Tag 2 FRESH

FRESH
August-Clüsserath-Weg, 66333 Völklingen
www.freshcorporation.com
Kristian Anicker (M.Sc. Aquakultur in Rostock), seit zwei Jahren bei FRESH

Betriebsvorstellung:
Die FRESH Völklingen GmbH ist weltweit die erste Kreislaufanlage zur kommerziellen Produktion von Seefischen ohne Zugang zu natürlichem Meer. Auf dem ehemaligen Kokereigelände der Stadt Völklingen (Saarland) werden Doraden, Wolfsbarsche und Kingfish produziert. Angestoßen wurde der Bau der Anlage 2007 durch die Stadt Völklingen. Zuchtbecken und Wasseraufbereitung wurden 2011 von Neomar aufgebaut, im Januar 2013 nahm die Anlage ihren Betrieb auf. Nachdem die Anlaufphase von finanziellen Schwierigkeiten geprägt war, entschloss sich die Stadt für den Verkauf. Seit 2015 ist Peter Zeller für ein Investorenkonsortium als Geschäftsführer der Anlage im Einsatz.
Rundgang und Diskussion:
-    Produktionsfläche
o    1500m³ Wasser/Becken plus 1000m³ Wasseraufbereitung/Becken
o    Insgesamt vier Becken
o    Durchschnittlich 1% Wasseraustausch
-    Produktionsmengen
o    2017: 55 Tonnen
o    2018: im Juni bereits 61 Tonnen
-    Fütterung
o    vollautomatisch
o    zertifiziertes Gentechnikfreies Futter
o    400-500kg/Tag
-    Softwareeinsatz
o    > 300 Parameter werden in Echtzeit überwacht
o    Herausforderung: Umgang mit Datenmenge (data warehouse, data mining)
-    Aufzucht
o    Setzlinge (sortierte Fische): Kingfish aus Chile, Dorade aus Mittelmeerraum, Wolfsbarsch aus Spanien, Griechenland oder Frankreich
o    Jungtiere zunächst in Quarantänebecken bis 5-10gr
o    Dann mehrere Generationen in einem Pool
-    Abfischung
o    Sortierung bei Dorade und Wolfsbarsch automatisch, Kingfish Sortierung schwierig
o    Ausnüchterung im Pool
o    An 2-3 Tagen/Woche
-    Schlachtung
o    Automatisch mittels Stunner
o    Wolfsbarsch und Dorade direkt auf Eis, Kingfish wird ausgeblutet
-    Absatz und Vertrieb
o    Hauptsächlich Großhandel, Gastro
o    Ausgenommen, ganze Tiere
o    Mitteleuropa, Italien bedeutsamer Markt
o    Werksverkauf kaum von Bedeutung
o    Hoher Qualitätsanspruch: 1 Tag bis zum Kunden
-    Tierwohl
o    Wasserqualität: Aktivkohlefilter
o    Reduktion von Geräuschpegel
o    Einsatz von Sonnenlicht möglich
o    Gestaltung des Lebensraums mittels Strömungen
o    Verhaltensanalyse mittels Kameraaufnahmen bei Fütterung
o    Schlachtung: Schulung der Mitarbeiter
-    Herausforderung
o    Sedimentation auf Grund zu niedriger Fischdichte
o    Passendes Equipment zB Kescher zur Abfischung von Kingfish
o    Abstimmung verfügbare Ware, Bedarf Handel („Handel möchte immer das was es gerade nicht gibt“)
-    Reinigung: rein biologisch
-    Abwasser: öffentlich
-    12 Mitarbeiter

 

Bilder:

Betriebsleiter Peter Groß erklärt seinen Betrieb, Rhönforelle.
Dialog vor Teilkreisläufen bei Rhönforelle.
Die Teilkreislaufanlagen haben die Produktivität des Betriebes Rhönforelle signifikant verbessert und halten dabei auch die strengen Umweltauflagen ein.
Im Satzfisch- und Lebendfischverkauf zählt die Vielfalt der angebotenen Arten. Deswegen ist eine großere Hälteranlage für die Kunden von großer Wichtigkeit.
Gruppenbild vor dem Betriebsgebäude der Rhönforelle.
Gruppenfoto vor der Zentrale des Perishable Center Frankfurt (PCF).
In den Hallen des Perishable Center Frankfurt (PCF) herrscht 24/7 großer Betrieb.
Herr Kristian Anicker von FRESH erklärt den Exkursionsteilnehmern den Betrieb.
Am Rande der Betriebsbesichtigungen wurde auch immer intensiv diskutiert.
Blick in die Produktionshalle der FRESH in Völklingen.

vergangene KNAQ-Workshops