Sie sind hier: KNAQ SH - Leistungen - Workshops - Internationale Innovations-Werkstatt Aquakultur

Erste Internationale Innovations-Werkstatt Aquakultur

Am 14. März 2017 fand in den Räumlichkeiten der Landesvertretung Schleswig-Holstein in Berlin die erste Internationale Innovations-Werkstatt Aquakultur (IIWA) statt. Mit insgesamt 86 Teilnehmern aus dem gesamten Bundesgebiet und dem europäischen Ausland waren die Räumlichkeiten der Landesvertretung gut gefüllt. Dieser Workshop wurde veranstaltet vom Nationalen Kompetenzzentrum Marine Aquakultur unter Leitung der Gesellschaft für Marine Aquakultur (GMA) in Büsum in enger Zusammenarbeit mit dem Kompetenznetzwerk Aquakultur (KNAQ) und der Europäischen Aquakulturgesellschaft (European Aquaculture Society, EAS) und mit Unterstützung des Landes Schleswig-Holstein.

Im Rahmen dieser eintägigen Veranstaltung hatten die Teilnehmer die Gelegenheit sich durch Vorträge, zwei Themenworkshops und Podiumsdiskussion über die aktuellsten wissenschaftlichen und technischen Herausforderungen der europäischen Aquakultur auseinanderzusetzen. Durch die hochkarätigen Gastredner aus Deutschland und dem europäischen Ausland, erhielten die Teilnehmer einen sehr fundierten Einblick in die verschiedenen Themengebiete.

Die Veranstaltung wurde eröffnet durch einen Vortrag von Herrn Dr. Stefan Meyer, Koordinator des Kompetenzzentrum Aquakultur (KNAQ) an der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein. Er bedankte sich bei allen Anwesenden für das zahlreiche Erscheinen, trotz erschwerter Anreise auf Grund der aktuellen Arbeitsniederlegungen an den Berliner Flughäfen. In seinem Vortrag stellte er die wichtigsten Rahmenbedingungen für die Aquakultur in Schleswig-Holstein dar, wo er insbesondere auf die aktuellen Bemühungen zur Entwicklung von hervorragend vorbereiteten Standorten für die Ansiedlung von Kreislaufanlagen an Land und IMTA- und Muschelkulturen in der Ostsee hinwies. Neben den bereits seit einiger Zeit verfügbaren Genehmigungsleitfäden des MELUR und der Genehmigungslotsentätigkeit des KNAQ stellt nun die pro-aktive Standortentwicklung ein weiteres wichtiges Element zur Steigerung der Aquakulturproduktion in Schleswig-Holstein dar. Diese Bemühungen werden seit dem Frühjahr 2017 auch durch eine EMFF-geförderte Studie zur Kartierung von salzhaltigem Grundwasser für den Betrieb von marinen Kreislaufanlagen unter Federführung der GMA in Büsum unterstützt. Über die Ergebnisse dieser Studie wird das KNAQ zu gegebener Zeit berichten.

Außerdem wies Herr Meyer auf die im Jahre 2019 stattfindende Konferenz „Aquaculture Europe“ der europäischen Aquakulturgesellschaft EAS hin, die zum ersten Mal in ihrer Geschichte in Deutschland abgehalten werden wird. Vom 07. bis zum 10. Oktober 2019 wird sich im Estrel Convention Center auf der Sonnenallee in Berlin die gesamte europäische Aquakulturbranche ein Stelldichein geben. Mit circa 1000 Teilnehmern aus allen Branchen der Wirtschaft, Wissenschaft und anderen Interessengruppen, einem intensiven wissenschaftlichen Vortragsprogramm, einer großen Technologieausstellung und diversen Veranstaltungen im Rahmenprogramm stellt die Aquaculture Europe die bedeutendste Veranstaltung dieser Art im europäischen Kontext dar. Alle Teilnehmer der IIWA wurden von Herr Meyer dazu aufgefordert, ihre aktuellen Bedürfnisse und Errungenschaften in den folgenden Sessions dieses Workshops zu präsentieren und zu diskutieren, um dann im Jahr 2019 den Fortschritt im Rahmen dieser Konferenz im internationalen Kontext zu präsentieren.

Im Anschluss an den Vortrag folgten Grußworte des Schleswig-Holsteiner Aquakultur Minister Robert Habeck, der auf Grund der letzten Kabinettssitzung vor der SH-Landtagswahl leider nur per Videobotschaft zugeschaltet werden konnte, des Präsidenten des Verbandes der Deutschen Binnenfischerei und Aquakultur e.V. Dr. Bernhard Feneis und des Präsidenten des Bundesverband Aquakultur e.V. Prof. Dr. Federico Foders.

Im anschließenden Plenarvortrag mit dem Titel „Developing sustainable aquafeeds with low levels of fish meal & fish oil” stellte Prof. Dr. Sadasivam (Sachi) Kaushik vom nationalen französischen Agrarforschungsinstitut INRA die Problematik sich verknappender Futtermittelrohstoffe im Kontext des globalen Bevölkerungswachstums dar. Von den aktuell global verfügbaren 4-5 Mio. Tonnen Fischmehl und ca. 1 Mio. Tonnen Fischöl werden über 60% des Mehls bzw. 80% des Öls für Fischfutter verwendet. Die Reduzierung des Fischmehl- und –Ölanteils in diesen Futtermitteln ist deswegen Gegenstand fortlaufender Forschung und industrieller Entwicklung seit mindestens zehn Jahren. Die Fischmehl-/Fischöl-Anteile (Angaben in %) moderner Futtermittel liegen heute schon bei 12-16/8-12 (Lachs), 5/5 (Forelle), 15/10 (Dorade) bzw. 0/0 (Karpfen) und weisen somit eine deutlich geringere Fish-in-Fish-Out-ratio auf, als dies noch vor 10 Jahren der Fall war. Die mit dem Einsatz alternativer Rohstoffe einhergehenden Effekte auf Nachhaltigkeit der Produktion, Qualität, Leistung und Gesundheit der Fische wurden im Rahmen eines jüngst abgeschlossenen EU-Projektes (ARRAINA) an den fünf bedeutendsten Arten der europäischen Aquakultur untersucht. Das Fazit dieser Studien lautet: Auch moderne Futtermittel, die mit alternativen Rohstoffen formuliert werden, verursachen Externalitäten und müssen auf den spezifischen Nährstoffbedarf der Zielart abgestimmt sein, aber dennoch (oder gerade deswegen) trägt die stetige Weiterentwicklung der Futtermittel auch in Zukunft zur gesteigerten Nachhaltigkeit der europäischen (und globalen) Aquakultur bei.

Im Anschluss an das Plenum teilten sich die Teilnehmer auf zwei parallele Themensessions zu den Themen „New approaches to unlock the potential of offshore aquaculture“ und „New approaches to land-based aquaculture“ auf. In der „Off-Shore-Session“, unter der in diesem Falle alle Aquakulturaktivitäten der Küstengewässer und Hochsee zusammengefasst wurden, wurden Vorträge zum Thema Mikroalgen-Kultivierung (R. Schulz, CAU Kiel), Closed containment aquaculture (B. Myrseth, Vitamar, NO) und Muschelkultur (H. Jansen, IMARES, NL) präsentiert. In der „Land-Based-Session“ wurden Vorträge zum Thema Marine Biotechnologie (M. Gebert, EMB, Lübeck), Süßwasser-Aquaponik (E. Mente, ETH, GR und W. Kloas, IGB, Berlin) und Salzwasser-Aquaponik (G. Burnell, UCC, IE) präsentiert.

Die Veranstaltung schloss mit einer Podiumsdiskussion, zu der geladene Gäste und Referenten des Veranstaltungstages beitrugen. Aus den vorhergehenden Session wurde berichtet, welche Bedarfe und Errungenschaften die Teilnehmer angeführt haben und welche sich als Themen für die in 2019 stattfindende Konferenz eignen werden. Es stellten sich eine Reihe von thematisch übergreifenden Herausforderungen dar, wie zum Beispiel der Bedarf nach einem verbesserten Image der deutschen Aquakultur und seiner Produkte, die von den Podiumsteilnehmern diskutiert wurden. Die Podiumsteilnehmer begrüßten die Möglichkeiten der internationalen Kooperation zwischen Deutschland und den anderen europäischen Ländern im Bereich technischer Innovationen, dem Austausch guter fachlicher Praxis und der strategischen Zusammenarbeit.

Die Veranstaltung schloss in geselligem Rahmen bei Speisen und Getränken im Lichthof der Landesvertretung.

Alle Vorträge der IIWA finden Sie zum Download auf der rechten Seite. Die Video-Mitschnitte der Vorträge von Herrn Dr. Meyer und Herrn Prof. Dr. Kaushik und das Grußwort von Minister Habeck finden Sie unter diesem Text. Die Video-Mitschnitte ausgewählter Beiträge im Plenum der IIWA sind für registrierte Nutzer der KNAQ-Gruppe auf XING einsehbar.


Einführungsvortrag, Dr. Stefan Meyer, KNAQ Koordinator


Grußwort zur IIWA von Min Robert Habeck (B90/Grüne), Aquakultur-Minister SH


Vortrag „Developing sustainable aquafeeds with low levels of fish meal & fish oil” Prof. Dr. Sadasivam (Sachi) Kaushik, INRA, France


Zum Hintergrund der Veranstaltung:

Die blaue Bioökonomie (als Bestandteil der EU Blue Economy) gehört zu Europas aufstrebenden Wirtschaftszweigen. Die marine Aquakultur, d.h. die nachhaltige Produktion von Fischen und anderen Organismen auf landbasierten und marinen Standorten, stellt ein zentrales Element dieses Systems dar. Deutsche Universitäten, Forschungseinrichtungen und Unternehmen gehören bereits heute zu den weltweit anerkannten Gestaltern der Blue Economy (z.B. Meeresforschung, Maritime Technologie, Lebensmitteltechnik und blaue Biotechnologie) und bieten auch im Bereich der marinen Aquakultur vielfältige Innovationspotentiale von internationaler Relevanz.

Die internationale Innovationswerkstatt Aquakultur verfolgt das Ziel, die Vielfalt der Innovations-, Technologie- und Transferpotenziale aus dem Umfeld der marinen Aquakultur in Schleswig-Holstein und dem gesamten Bundesgebiet im internationalen Kontext darzustellen. Diskutieren Sie im Rahmen dieser eintägigen, englisch-sprachigen Veranstaltung mit ausgewählten Expertinnen und Experten aus dem europäischen Ausland und schmieden Sie strategische Allianzen zwischen Forschungseinrichtungen und Unternehmen, die Ihnen bei Ihrer Arbeit im Umfeld der blauen Bioökonomie weiterhelfen.

Die Innovations-Werkstatt stellt einen ersten Meilenstein zur Vorbereitung der in zwei Jahren (07. - 10. Oktober 2019) in Berlin stattfindenden internationalen Aquakultur-Konferenz "Aquaculture Europe 2019" der European Aquaculture Society (EAS) dar. Nutzen Sie die Gelegenheit sich über die thematischen Schwerpunkte der Konferenz zu informieren und inhaltliche Anknüpfungspunkte an das Programm zu identifizieren.

In Schleswig-Holstein sind Deutschlands führende wissenschaftliche Einrichtungen der marinen Aquakulturforschung angesiedelt. Des Weiteren finden sich eine Vielzahl exzellenter Forschungseinrichtungen und innovativer Unternehmen aus den flankierenden Bereichen der Meeresforschung, blauen Biotechnologie, maritimen Technologien und Seafood/Lebensmittel-Branche, die im Rahmen der im Land SH existierenden Cluster- und Innovationslandschaft eng und produktiv miteinander kooperieren.

Obwohl viele der letztgenannten Akteure auch zu den europaweit führenden Gestaltern der Meereswissenschaften und maritimen Technologien gehören und entsprechende (Projekt-)Erfolge vorweise können, fehlt es im Umfeld der marinen Aquakultur noch an einer europaweiten Wiedererkennung von SH-Akteuren und entsprechenden Netzwerken.

Die internationale Innovationswerkstatt Aquakultur verfolgt das Ziel, die Vielfalt der Innovations-, Technologie- und Technologietransferpotenziale aus dem Umfeld der marinen Aquakultur in Schleswig-Holstein darzustellen und mit ausgewählten Expertinnen und Experten aus dem europäischen Ausland Anknüpfungspunkte zu den verwandten Branchen der Meeresforschung, maritimen Technologien, blauen Biotechnologie und der Seafood/Lebensmittelbranche zu identifizieren und strategische Allianzen zwischen Forschungseinrichtungen und Unternehmen zu stimulieren.