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Kostenlose Beratung für interessierte Quereinsteiger

Die Aquakultur, d.h. die Haltung und Produktion von Fischen und Krustentieren, gehört zu den am schnellsten wachsenden Zweigen der weltweiten Ernährungswirtschaft. Der überwiegende Anteil der in Deutschland aktuell verzehrten Fische und Fischereierzeugnisse – ca. 88 Prozent – werden importiert. Die Stärkung der heimischen Aquakultur könnte dazu beitragen, die Importabhängigkeit im Fischbereich zu reduzieren und wertvolle, nachhaltig nutzbare heimische Potenziale besser zur Geltung zu bringen. Schleswig-Holstein bietet nicht zu Letzt auf Grund seiner Lage zwischen den Meeren und die traditionell starke Fischwirtschaft ideale Rahmenbedingungen für mehr heimische Fischproduktion -  auch in Aquakulturen.

Um interessierten zukünftigen Aquakultur-Unternehmern aus dem landwirtschaftlichen Umfeld und anderen Branchen den Quereinstieg zu erleichtern, hat die Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein seit Mai dieses Jahres ihr Beratungsangebot erweitert. Herr Dr. Stefan Meyer ist Koordinator des Kompetenznetzwerk Aquakultur (KNAQ) an der Landwirtschaftskammer und bietet praktische Hilfestellung bei der Frage: Ist Aquakultur das Richtige für mich und meinen Betrieb?

Diese Frage hängt von vielen Faktoren ab, die jeder Interessent im Vorfeld kritisch überprüfen und hinterfragen sollte. Der Einstieg in diese Branche erfordert nämlich nicht nur ein gerüttelt Maß an Fischhaltungs-Wissen und Zugang zu Finanzierung, sondern auch die Bereitschaft sich um viele Betriebsabläufe und die Vermarktung des Produktes selber kümmern zu müssen. Im Rahmen einer persönlichen Erstberatung werden deswegen zunächst eine Reihe sehr grundsätzlicher Voraussetzung für den Einstieg in die Fischproduktion geprüft.

1) Standort:
Stehen auf dem eigenen landwirtschaftlichen Betrieb ausreichend Flächen zur Verfügung, so kann eine Aquakultur-Anlage unter bestimmten Voraussetzungen im baurechtlichen Sinne privilegiert sein. Je nach baulicher Ausführung der Anlage kann auch eine Umnutzung von Bestandsgebäuden in Frage kommen. Ist dies nicht möglich oder sinnvoll, muss die Baugenehmigung auf regulärem Wege erwirkt werden. Hierbei unterstützt Sie das KNAQ wie ein Genehmigungslotse, der Sie bei der Antragstellung und Korrespondenz mit den Behörden begleitet.

2) Finanzierung:
Für den Aufbau einer Aquakultur-Anlage ist je nach Art und Ausführung schnell ein Investitionsvolumen von mehr als 1 Mio € notwendig. Hinzu kommen hohe Betriebskosten in Form von Personal, Futter und Energie. Damit steigt die finanzielle Verpflichtung, die ein Quereinsteiger eingeht, bevor der erste Fisch verkauft ist. Um als Betriebsleiter und Verantwortlicher nicht selber in finanzielle Schieflage zu geraten, ist es wichtig sich durch langfristige Finanzierungsmodelle Handlungsspielräume zu verschaffen. Hierbei können sowohl Bankkredite, als auch andere Finanzierungsinstrumente von Interesse sein. Denn die Kapitalanlage in eine „grüne Wachstumsbranche“ erfreut sich zunehmender Beliebtheit.

3) Skalierung:
Auch wenn es verlockend erscheinen mag, so ist das langsame Hineinwachsen in die Aquakulturbranche ein sehr mühsamer und kostenintensiver Prozess. Die hohen Investitions- und Betriebskosten einer Aquakulturanlage können sich erst ab einer bestimmten Größenordnung durch Skaleneffekte auffangen bzw. abmildern lassen. Eine kleine Anlage, die im Nebenerwerb und ohne finanzielle Not betrieben wird, kann jedoch für manchen Interessenten den parallelen Einstieg und den Aufbau von Expertise (siehe unten) erleichtern. Das KNAQ wägt mit Ihnen das Für und Wider der verschiedenen Möglichkeiten ab und hilft Ihnen die richtige Größenordnung für Ihren Einstieg zu finden.

4) Expertise:
Fische haben naturgemäß andere Ansprüche an Haltungsumwelt und Produktionsbedingungen als andere Landtiere. Der Betrieb einer Aquakulturanlage erfordert umfassende Kenntnisse der Wasserchemie, Biologie der Fische, der Anlagentechnik und der Verarbeitung. Diese Expertise muss beim verantwortlichen Betriebsleiter und den Mitarbeitern vorliegen bzw. aufgebaut werden. Hierzu gibt es umfassende Fortbildungs- und Ausbildungsmöglichkeiten, die von verschiedenen Bildungsträgern in Schleswig-Holstein und im Bundesgebiet angeboten werden. Das KNAQ hilft Ihnen die richtigen Angebote zu finden. Die Ausbildung zum Fischwirt mit Ausbildungsschwerpunkt „Aquakultur und Binnenfischerei“ und im weiteren Verlauf die Prüfung zum Fischwirtschaftsmeister stellen eine solide Basis für den Einstieg in die Branche dar. Der Fachbereich Fischerei an der Landwirtschaftskammer berät Sie hierzu umfassend.

5) Marktzugang:
Der beste Fisch nützt dem Produzenten hinterher wenig, wenn er nicht zu einem angemessenen Preis am Markt platziert werden kann. Da Fisch zwar einerseits ein sehr beliebtes, aber andererseits auch ein sehr sensibles Lebensmittel ist, erfordert es Erfahrung und Fingerspitzengefühl sein spezielles Produkt „aus regionaler Erzeugung“ im spezialisierten Fachhandel zu platzieren. Oder soll es lieber der gut sortierte Hofladen mit eigener Räucherei und Gastronomie sein? Oder doch nur für den Großhandel produzieren und die Vermarktung und Logistik den Profis überlassen? An dieser Frage entscheidet es sich am Ende des Tages, ob man mit Aquakultur Geld verdienen kann. Deswegen sollte sie besonders wohl überlegt sein. Das KNAQ hilft Ihnen die richtigen Fragen zu stellen und die passende Antwort für den eigenen Betrieb selber zu finden.

Wenn Sie einen Eindruck davon bekommen wollen, wie die Antworten auf diese grundsätzlichen Fragen für Sie und Ihren Betrieb aussehen würden, dann kontaktieren Sie noch heute die KNAQ Koordinierungsstelle.

Auf Grundlage dieses Gespräches können Sie dann besser abwägen, ob Sie den Einstieg in die Aquakultur-Branche wagen wollen. Auf ihrem weiteren Weg begleitet Sie das KNAQ dann gerne mit weiteren, detaillierten Beratungsleistungen. Diese sind für Interessenten aus Schleswig-Holstein kostenlos.