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01.06.2017

Thünen Report 47: Verfügbarkeit umweltrelevanter Daten zur deutschen Süßwasseraquakultur

In Ergänzung zu den bereits bestehenden bundesweiten und Schleswig-Holstein-spezifischen Leitfäden zur Genehmigung von Aquakulture-Betrieben hat das Thuenen-Institut aus Hamburg jüngst einen sehr umfangreichen Bericht zur "Verfügbarkeit umweltrelevanter Daten zur deutschen Süßwasseraquakultur" veröffentlicht. Sie erfahren dort mehr über die behördliche Datenerfassung und den betrieblichen Dokumentationsaufwand deutscher Aquakulturbetriebe.

Zusammenfassung

Für den deutschen Aquakultursektor existieren weitreichende europäische und nationale Vor-schriften. Deren Vollzug liegt im Binnenland zu großen Teilen im Verantwortungsbereich der ein-zelnen Bundesländer. In diesem Rahmen werden auf Basis bestehender Rechtsgrundlagen, ver-schiedene Daten zur Binnenaquakultur auf unterschiedlichen Verwaltungsebenen erhoben. Sys-tematische Datensammlungen zur Produktion und Struktur des Aquakultursektors sowie über zugeführte Wildfänge erfolgen insbesondere in Form der Aquakulturstatistik (Bundesstatistik). Ergänzende Produktionsdaten werden im Rahmen des Jahresberichtes zur Deutschen Binnenfi-scherei und Binnenaquakultur von den Obersten Landesfischereibehörden abgefragt. Weiterhin werden Daten über das Auftreten von anzeige- und meldepflichtigen Fischkrankheiten, die Ver-grämung von Prädatoren sowie über (bisher nicht stattgefundene) Einführungen von Fremdar-ten, von verschiedenen Behörden jeweils zentral erfasst und teilweise veröffentlicht. Im Rahmen von Antrags- und Genehmigungsverfahren werden betriebsspezifische Daten durch die Aquakul-turbetriebe an die zuständigen Behörden, zumeist Kreisbehörden, der Bundesländer übermittelt. Hervorzuheben ist hierbei die Genehmigungspflicht von Aquakulturbetrieben (Fischseuchenver-ordnung) und eine zumeist notwendige wasserrechtliche Zulassung. Umgekehrt finden behördli-che Betriebskontrollen statt. Neben der behördlichen Datenerfassung unterliegen die Betriebe selbst bestimmten Buchführungspflichten. Diese resultieren insbesondere aus dem Tiergesund-heitsrecht, Arzneimittelrecht und Lebensmittelrecht. Die aufzuzeichnenden Daten verbleiben allerdings in der Regel auf Betriebsebene. Eine Übermittlung an die zuständigen Behörden findet nur dann statt, wenn explizite Mitteilungspflichten bestehen oder durch einzelfallbezogene Auf-lagen vorgeschrieben sind. Zusätzliche Vorschriften zur Zertifizierung und hinsichtlich Buchfüh-rungs- und Mitteilungspflichten bestehen für die ökologische/biologische Aquakulturproduktion.
Die nachhaltige Entwicklung der Aquakulturwirtschaft ist ein elementarer Bestandteil der Ge-meinsamen Fischereipolitik (GFP) der EU sowie ein wesentliches Ziel des nationalen Strategie-plans Aquakultur. Auch seitens der Verbraucher werden erhöhte Anforderungen an die Nachhal-tigkeit der in Aquakultur erzeugten Produkte gestellt. Für eine Beurteilung der ökologischen Nachhaltigkeit und Bewertung der Zielerreichung sowie hinsichtlich eines (inter-) nationalen Vergleichs der verschiedenen Produktionsformen, werden quantifizierbare Daten zur Umwelt-wirkung der Aquakultur benötigt. Die vorliegende Übersicht zeigt, dass diverse umweltbezogene Datenquellen zur Binnenaquakultur, aus der Erfüllung von Rechtsanforderungen, bereits in Deutschland vorhanden sind. Eine weitergehende Nutzung dieses Datenpotenzials erfolgt jedoch in vielen Bereichen nicht, so dass derzeit keine quantifizierbare Darstellung der Umweltverträg-lichkeit der Binnenaquakultur anhand empirischer Daten erfolgen kann. Für eine solche Darstel-lung müssten bestehende Daten zugänglich gemacht und ggf. zusätzliche Daten, z.B. im Rahmen eines Netzwerks aus Modellbetrieben, erhoben werden.

Lesen Sie mehr über die Autoren und die Arbeiten des Arbeitsbereich Aquakultur des Thünen Institut für Fischereiökologie unter folgendem Link: https://www.thuenen.de/de/fi/arbeitsbereiche/aquakultur/aquakultur-und-umwelt/


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