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11.05.2017

EU-Projekt "OrAqua" gibt Empfehlungen für zukünfite REgulierung der Bio-Aquakultur

Das EU-Projekt "OrAqua - Recommendations for a future European regulation on organic aquaculture" (Laufzeit 01/14 - 12/16) hat Empfehlungen für die zukünftigen Rahmenbedingungen der europäischen Bio-Aquakultur, d.h. Produktion nach EG-Öko-Verordnung, abgegeben. Die Empfehlungen gliedern sich in fünf Handlungsfelder: 1) Naturnähe der Produktion, 2) Gesundheit und Tierwohl, 3) Futter, 4) Betriebsführung und Management und 5) Zertifizierung. Obwohl noch nicht alle Projektberichte veröffentlicht sind, nach Angaben des Projektkoordinators noch durch die Europäische Kommission begutachtet werden, sind jetzt schon einige richtungweisende Eckpunkte veröffentlicht worden. Unter anderem wird empfohlen, dass eine naturnahe Produktion jegliche Art von System, von Durchflussanlagen über Teiche oder Becken bis hin zu Wasser-Wiederverwendungssystemen (d.h. Kreislaufanlagen) erlauben sollte, solange sie eine sichere und nachhaltige Nutzung der Ressourcen garantieren. Hierdurch wird der Grundsatz der Ressourceneffizienz und Tiergerechtheit solcher Systeme stärker gewichtet, als die grundsätzliche Ablehnung von Tanks und Becken. Durch diese Empfehlung könnte also der Weg für eine zukünftige Öko-Zertifizierbarkeit von geschlossenen Kreislaufanlagen geebnet sein.

Weiterhin, so die Empfehlungen, sollte allerdings der Einsatz von Hormonen und ihren Derivaten vollständig verboten bleiben und der Einsatz von Desinfektionsmitteln und Medikamenten beschränkt bleiben. Dabei erkennt die Empfehlung uneingeschränkt an, dass insbesondere Desinfektionsmittel für die Betriebshygiene und Biosicherheit unverzichtbar sind und der Einsatz von homöopathischen Produkten und Probiotika gestattet sein muss. Relativ kompromisslos erscheint hingegen die Empfehlung, den Einsatz von reinem, technischen Sauerstoff auf lebensbedrohliche Situationen, d.h. vermutlich kurzfristig und unvorhergesehen eintretender Sauerstoffmangel, und Transporte zu beschränken. Bei einer exakten Umsetzung dieser Empfehlung in den zukünftigen EU-Regelwerken kann davon ausgegangen werden, dass geschlossene Kreislaufanlagen nur schwerlich in der Lage sein werden, wirtschaftlich und betriebssicher, d.h. auch tiergerecht, zu produzieren.

Im Rahmen des Projektes wurden eine Reihe von Workshops und Umfragen durchgeführt, die die gesellschaftliche Wahrnehmung und Erwartungen von europäischen Konsumenten gegenüber der Bio-Aquakultur erfasst haben. Diese haben ergeben, dass Verbraucher folgende höchste Prioritäten in Bezug auf ökologische Aquakultur setzen: keine Verwendung von giftigen Chemikalien (> 60%), naturnahe Lebensbedingungen (> 55%), gute Wasserqualität und kein Gebrauch von Medikamenten (50%) und ökologisches Futter ohne künstliche Zusatzstoffe (> 45%). Dies rechtfertigt nach Auffassung der Konsumenten dann auch einen 20% bis 50% höheren Preis im Vergleich zu konventionellen Produkten. Ähnliche Befragungen unter Produzenten und Datenerhebungen im produzierenden und verarbeitenden Gewerbe haben ergeben, dass die Produktionskosten für Bio-Aquakultur-Produkte im Schnitt ca. 30% über den Produktionskosten für konventionelle Produkte liegen. Dies ist insbesondere erhöhten Aufwänden im Jungtiererwerb, höheren Futterkosten, geringerer Wachstumsleistung und höheren Fixkosten insbesondere auf Grund geringerer Besatzdichten geschuldet. Demgegenüber stehen aber auch höhere Gewinnmargen für Bioprodukte für diese Produkte in Verarbeitung und Verkauf.

Es bleibt in sofern abzuwarten, wie die finalen Empfehlungen dieses Projektes von der EU in die nächste Novellierung der Richtlinien (zuletzt Verordnung EG 710/2009; http://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/PDF/?uri=CELEX:32009R0710&from=EN) eingearbeitet werden. Wenn die finalen Berichte und Empfehlungen des OrAqua-Projektes veröffentlicht werden, werden Sie hier mehr dazu erfahren. Oder Sie besuchen die Internetseite des Projektes unter https://www.oraqua.eu


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